Frank und Daniel Steffen bestehen Dan-Prüfung
An diesem
Pfingstwochenende (11.-13.06.2011) fand wie in den Jahren zuvor der
traditionelle „Wado-Ryu“ Pfingstlehrgang in Berlin statt.
Der
Ausrichter „Berliner Karate Verband e. V. und Wadokai Deutschland
Sohonbu e. V.“ hatte ein gutes Konzept welches erfolgreich eingesetzt
wurde. Die beiden Trainerkapazitäten Shuzo Imai (8. Dan) und Takamasa
Arakawa (6. Dan) konnten somit Ihr jahrzehntelanges Wissen an die
Teilnehmer weitergeben.
Diesmal war die An- und Abreise für Sensei
Arakawa nicht so einfach, da die Flüge von Japan (Tokio) mit
Hindernissen verbunden waren. Er nahm dieses aber in Kauf, um den
Teilnehmern seine Kenntnisse zu vermitteln. Jeder konnte somit
erkennen, dass er 100 prozentig hinter der Vermittlung des Karate
steht.
Samstagvormittag startete der Lehrgang. Die Trainingsinhalte
waren ansprechend und fanden bei allen großen Anklang. So wurden
bestimmte Einheiten in zwei parallel laufende Trainingsgruppen
unterteilt. Das Kriterium hierfür war die Graduierung und stellte
somit sicher, dass keiner unter- oder überfordert wurde. Der zweite
Trainingsblock folgte dementsprechend mit weiteren Schwerpunkten.
Am Nachmittag folgte nach der traditionellen Begrüßung der dritte
Trainingsblock. Das gemeinsame Aufwärmtraining bereitete uns darauf
vor. Übergangslos wurde in die zwei Gruppen unterteilt, wobei Sensei
Arakawa die Fortgeschrittenen mit der Einheit Kata „Niseishi“
unterwies. Zur weiteren Erklärung zeigte er die offiziellen Bunkai
Formen. Diese Partnerübungen wurden sofort in die Praxis umgesetzt
wobei die beiden Bremerhavener Frank und Daniel ein Team bildeten.
Ab 17:00 stand ein weiteres Highlight (eine Demonstration) auf dem
Trainingsplan. Alle freuten sich darauf und verfolgten diese gespannt.
Diese Vorführung war in mehrere Teile unterteilt wobei Sensei Arakawa
eine Kata präzise vorführte. Sensei Imai begeisterte mit
Partnerübungen, wobei der Gegner ein Schwert führte. Desweiteren
führte die Stilrichtungsreferentin für Berlin „Christina Gutz“ die
Fortgeschrittenen „Tanto-Dori“ Messer Partnerübungen ausführlich vor.
Hiermit endete der praktische Teil für diesen Tag und ein gemeinsames
Abendessen wurde fakultativ angeboten.
Sonntagmorgen ging es
planmäßig weiter wobei dieser Tag schwerpunktmäßig die verschiedenen
„Wado-Ryu“ Partnerübungsformen bot. So gab es drei Trainingseinheiten
wobei in der ersten das Kihon-Kumite (Festgelegte Form, in der immer
der Verteidiger gewinnt) mit seinen Feinheiten nähergebracht wurde. Im
weiteren Tagesverlauf wurde das Idori (Bodenkampf) und Tanto-Dori
(Messerkampf) detailliert vermittelt. Den Tagesabschluss bildete die
Wado Kyu Prüfung.
Pfingstmontag sollte ein besonderer Tag werden.
Hierbei stand als erstes das Dan Vorbereitungstraining auf dem
Trainingsplan. Bei diesen konnten sich die Karatekas auf die nächste
Schwarzgurtprüfung in allen dazugehörigen Bereichen vorbereiten. Die
Dan Prüfer standen hierbei jedem einzelnen mit Rat und Tat zur Seite.
Ab 13:00 folgte die Dan Prüfung auf die sich 8 Karatekas vorbereitet
hatten. Diese Chance nutzen auch ein paar Teilnehmer aus Ungarn. Aus
Bremerhaven nahmen Frank und Daniel Steffen an der Prüfung teil. Die
beiden hatten intensive Vorarbeit geleistet und besuchten dafür in den
Vorbereitungsjahren viele Seminare und Lehrgänge.

Gestartet wurde mit
Kihon (Grundschultechniken).
Grundschultechniken bilden die Basis und somit wurden die entsprechenden
Faust, Hand und Fußtechniken abgeprüft.
Als nächstes folgten die
Kombinationen. Bei diesen
mussten die Prüflinge zwei unterschiedliche aus mindestens 6 Techniken
vortragen. Der Schwierigkeitsgrad sollte hierbei je nach angestrebten
Grad erhöht werden. Die Kombinationen mussten links, rechts und am
Partner ausgeführt werden. Sie sollten Angriffs- und Abwehrtechniken
enthalten, so dass erkennbar wurde, dass sich jeder entsprechend
Gedanken darüber gemacht hatte. Unstimmigkeiten wurden von den Prüfern
kurz erörtert und die Prüflinge mussten sofort mit einer Verbesserung
darauf reagieren.
Im Anschluss daran folgte die Prüfung der
Kata. In der Stilrichtung
des Wado-Ryu gibt es 15 wesentliche, wobei die ersten 5 (Pinan Kata) für
die Schülergrade notwendig sind. Bei den Dan Prüfungen sind je nach
angestrebter Graduierung fortgeschrittenere erforderlich. So sind z.B.
für den 4. Meistergrad die Kata „Niseishi“ sowie „Rohai“ vorgeschrieben.
Niseishi ist eine anspruchsvolle Kata und vor allem durch fließende
Bewegungen und ein ungewöhnliches Schrittmuster geprägt. Sie hat 24
Stellungen und dauert in der Ausführung ungefähr 60 Sekunden. Rohai
stellt dar bzw. bedeutet: "Das Zeichen des weißen Reihers" oder
"Reinigen des Spiegels". Dieser klare Spiegel soll die Welt
wahrheitsgetreu reflektieren. Bei der Ausführung der Kata sollen diese
aber auch weitere wie z.B. Ausführung, Zanshin (jap. balancierter
Geist), Kime (bezeichnet im Karate die Energie, die in dem Moment
größter Anspannung während eines Stoßes, Schlages oder Trittes
übertragen wird), dargestellt werden.
Den umfassendsten Teil
bildeten die Partnerübungen.
Das erste Stichwort hieß nur kurz „Kihon-Kumite“ und die Prüflinge
führten aus den 10 Partnerübungen entsprechend der Auswahl den Prüfern
vor. In direktem Anschluss folgten die für den 4. Dan vorgesehenen
Tanto-Dori Partnerübungen. Hierbei wählten Frank und Daniel im Vorfeld
zwei aus den zulässigen aus. Bei dieser Form mit dem Messer spielen
ferner „erhöhte Aufmerksamkeit, konsequente Handlung, endsprechende
Körperhaltung, usw.“ eine beachtliche Rolle. Die Bedrohung durch das
Messer ist wesentlich höher und darf nicht unterschätzt werden. Danach
folgte das Idori bei dem die beiden Bremerhavener zwei festgelegte Teile
zeigten. Idori wird aus der Kniestellung (im Seisa) ausgeführt und der
Verteidiger gewinnt hierbei. Da die traditionelle Begrüßung immer in der
Kniestellung ausgeführt wird ist sie jedem Karateka bekannt. Trotzdem
ist diese Art der Partnerübungen nicht zu unterschätzen. Sie ist
sinnvoll da eine Verteidigung in dieser Position durchaus vorkommen
kann.
Als nächstes folgte der Wahlteil wobei verschiedene Optionen
zur Verfügung standen. Frank und Daniel wählten das
Ohyo-Kumite und konnten den
drei Prüfern auch dieses zu Ihrer Zufriedenheit vorführen. Ohyo-Kumite
ist eine fortgeschrittene Form der Partnerübungen wobei immer der
Angreifer gewinnt. Der Verteidiger blockt zwar die Angriffe und kontert
darauf, wird aber letztendlich durch geschickte Aktionen des Angreifers
besiegt.
Abschließend wurde das
Jiyu-Kumite in der freien
Form vorgetragen. Es handelt sich hierbei um den Freikampf bei dem die
erlernten Techniken gezielt am Partner ohne diesen zu verletzen
ausgeführt werden. Nach ein paar Partnerwechseln war auch dieser Bereich
erfolgreich für die Zielgruppe abgeschlossen.
Schließlich war das
Ende der Prüfung erreicht und die drei Prüfer (Shuzo Imai 8. Dan, Bernd
Alscher 5. Dan und Christina Gutz 5. Dan) beratschlagten sich. Das
Ergebnis wurde für die beiden Bremerhavener kurz mit „bestanden“
verkündet. Nach diesen 4 anstrengenden Stunden der Prüfung waren die
beiden erleichtet als sie Ihre Urkunde entgegennehmen konnten. Somit
sind Daniel Steffen Träger des 2. und Frank Steffen Träger des 4. Dan in
der Karate Stilrichtung des Wado-Ryu. Nach diesem 3 tägigen Lehrgang
traten die beiden die Heimreise an wobei noch ausgiebig diskutiert
wurde.
Foto
& Artikel: Daniel Steffen
